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Berufsbildende Schulen und die Integration von jungen Geflüchteten - Strukturmerkmale und Praxiserfahrungen in Niedersachsen (BBS-InGe Niedersachsen)

Leitung:PD Dr. Stefan Wolf, Professor i.V.
Bearbeitung:Dr. Martin Koch, Nora Pressler
Laufzeit:10/2016 - 8/2018
Förderung durch:Eigenmittel

Ergebnisse des Projekts:

Im Oktober 2015 wurde aufgrund der stark gestiegenen Aufnahme neu zugereister junger Schutzsuchender vom Kultusministerium Niedersachsen ein Schulversuch zu Erprobung eines neuen pädagogischen und organisatorischen Konzeptes ausgeschrieben: das Sprach- und Integrationsprojekt (SPRINT) für jugendliche Flüchtlinge.

Wesentlich für das SPRINT‑Projekt ist, dass es sich um die Durchführung einer Maßnahme handelt und nicht um Unterricht im eigentlichen Sinne, was dazu führt, dass die Durchführung des Angebotes auch von Lehrenden ohne eine für den Schuldienst entsprechende Ausbildung erfolgen kann. Darüber hinaus können einzelne Teile des Projektes zum Beispiel an freie Bildungsträger ausgelagert werden.

Bei den Teilnehmer*innen des SPRINT‑Projekts handelt es sich um junge Geflüchtete im Alter von 16 bis 21 Jahren  (vgl. Kultusministerium Niedersachsen, 2015, p. 2). Die Maßnahmen beginnen unabhängig vom jeweils laufenden Schuljahr und dauern ein Jahr mit wöchentlich 25 Schulstunden. In jedem Durchlauf sind zwischen 9 und 17 Jugendliche (vgl. Kultusministerium Niedersachsen, 2017, p. 6).

Abgesehen von den drei Modulen (Spracherwerb, Einführung in die regionale Kultur und Lebenswelt, Einführung in das Berufs- und Arbeitsleben), die vorgegeben waren, sollten die berufsbildenden Schulen, eigenverantwortlich Arbeitspläne für die Maßnahme entwickeln.

Mit welchen Inhalten die Schulen die Module gefüllt haben, welchen Weiterbildungsbedarf die befragten Lehrkräfte sehen und für wie erfolgreich sie ihre SPRINT-Klassen erachten, sollte mit Hilfe einer Befragung der LUH untersucht werden.

Von den 97 Schulen, die nach Angaben des niedersächsischen Kultusministeriums im Sprint-Projekt involviert sind/waren, liegen Angaben der Lehrkräfte von 82 berufsbildenden Schulen vor, was einer Ausschöpfung von 85% entspricht. Insgesamt haben 361 Personen den Fragebogen ausgefüllt.

Die Ergebnisse der Untersuchung sind auf einem Poster kurz zusammengefasst.

 


Projektbeschreibung:

Mit dem starken Zustrom junger Geflüchteter in den Jahren 2015 und 2016 sind die Beruflichen Schulen vor besondere Herausforderungen gestellt worden. Insbesondere in Niedersachsen wurden seitens des Kultusministeriums zügig Konzepte entwickelt, den starken Aufwuchs neuer Schülerinnen und Schüler (SuS) in den beruflichen Schulen zu bewältigen. Bereits zum Sommer 2015 wurde u. a. ein Sprach- und Integrationsprojekt für jugendliche Flüchtlinge an niedersächsischen beruflichen Schulen (SPRINT) ermöglicht. Derzeit werden darin ca. 4.000 junge Geflüchtete unterrichtet.

Hierbei wurde ein offenes Konzept als Schulversuch konzipiert, um Sprach- und Integrationsförderung in Niedersachsen für die Beruflichen Schulen zu erleichtern. Das SPRINT-Projekt wird flächendeckend an annähernd einhundert beruflichen Schulen in Niedersachsen durchgeführt. Dieser Schulversuch arbeitet mit einem offenen Konzeptes mit den drei Bausteinen (1) Spracherwerb, (2) Einführung in die regionale Kultur- und Lebenswelt und (3) Einführung in das Berufs- und Arbeitsleben. Es zeichnet sich durch die Besonderheiten aus, dass die Schulen weit selbständig die Inhalte und die inner-organisatorischen Ressourcen wie Personal und Leistungserstellung gestalten können. Dies ermöglicht eine hohe Flexibilität, aber bewirkt auch eine hohe Unübersichtlichkeit bei schulischen Akteuren und steuernder Verwaltung.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wird zunächst eine Fragebogenerhebung an allen Schulen durchgeführt, um die Rahmenbedingungen der Umsetzung des Schulversuches, wie auch ggf. strukturelle regionale Unterschiede festzustellen. Gleichzeitig werden interne Strukturmomente des Schulhandelns festgestellt, wie auch Praxiserfahrungen einschließlich von notwendig erachteten Fortbildungsbedarfe erfragt. Damit wird es möglich sein, eine regionale Strukturierung der Umsetzung des SPRINT-Projektes in Niedersachsen zu gewinnen, wie auch den beruflichen Schulen Rückmeldungen über ihre Aktivitäten im Vergleich zu geben.

Sofern es gelingt, weitere zusätzliche, externe Fördermittel zu erhalten, ist in einer zweiten Stufe beabsichtigt, an ausgewählten Schulstandorten mit qualitativen Forschungsmethoden die Praxis der Integration jugendlicher Geflüchteter genauer zu untersuchen. Durch das verwendete Design partizipativer Forschung leistet die Studie einen Beitrag zur Berufsschulentwicklung in Niedersachsen und zur interpretativen Schulforschung.

 

 

Unter Mitarbeit von:

Sabine Janssen und Benedikt Jäckel

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