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Wissenschaftliche Begleitung des Schulversuchs „Projekt Regionale Kompetenzzentren (ProReKO)“

Leitung:Prof. Dr. K. Rütters
Bearbeitung:G. Roggenbrodt (StD), J. Künzel (StR)
Laufzeit:2003-2008
Förderung durch:Anschubfinanzierung aus Mitteln des Innovationspools der Universität, Land Niedersachsen
Bild Wissenschaftliche Begleitung des Schulversuchs „Projekt Regionale Kompetenzzentren (ProReKO)“

Kurzbeschreibung des Schulversuchs
Der niedersächsische Landtag hat im September 2001 in einer einstimmig verabschiedeten Entschließung das Kultusministerium beauftragt, einen fünfjährigen Schulversuch durchzuführen, in dem unter den Aspekten „größere Selbständigkeit“, „umfassende Gesamtverantwortung“, „neues Schulmanagement“ und „neue Personalsteuerung“ die Entwicklung der berufsbildenden Schulen in Niedersachsen zu Qualifizierungszentren in der Region erprobt werden soll. An dem unter dem Titel „Berufsbildende Schulen in Niedersachsen als regionale Kompetenzzentren“ (Projekt Regionale Kompetenzzentren – ProReKo) laufenden Schulversuch nehmen 19 berufsbildende Schulen Niedersachsens und 14 Schulträger teil. Er hat eine Laufzeit vom 01.01.2003 bis 31.12.2007.
Ziel des Schulversuches ist es, durch ein geändertes Steuerungs- und Unterstützungssystem berufsbildende Schulen zu kunden- und regionalorientierten Dienstleistern der beruflichen Bildung zu entwickeln und die Qualität ihrer schulischen Arbeit messbar zu verbessern (so genanntes Globalziel des Schulversuchs). Der Niedersächsische Kultusminister als Auftraggeber des Projekts hat mittlerweile den Modellversuchsschulen weitreichende Befugnisse übertragen und Ressourcen zugewiesen, damit sie als selbständige Dienststellen in einem erweiterten Handlungsrahmen ihrer Verantwortung in einem umfassenden Sinne zur Erreichung des Globalziels des Projektes gerecht werden können. Dazu erproben die am Projekt beteiligten Schulen in den Arbeitsfeldern „Qualitätsmanagement“, „Bildungsangebote“, „Personalmanagement“, „Budgetierung“, „Schulverfassung“ unter anderem
die Einführung und den Aufbau eines umfassenden schulinternen Qualitätsmanagements auf der Grundlage des EFQM-Modells für Excellence als Referenzrahmen und eine damit verbundene Steuerung ihrer jeweiligen Organisationsziele über ein schulisches Kennzahlensystem
die stärkere Ausrichtung und schnellere Anpassung des schulischen Bildungsangebots an den regionalen Qualifizierungsbedarf
die selbständige Bewirtschaftung des Personals durch Übertragung der wesentlichen
dienst- und personalrechtlichen Befugnisse (Einstellung, Versetzung, Abordnung, Beförderung)
die eigenverantwortliche Bewirtschaftung der finanziellen Ressourcen im Rahmen des ihnen zugewiesenen gemeinsamen Schulbudgets, das aus der Zusammenführung der Mittel des Landes und der jeweiligen Schulträger gebildet wird
die Einführung und Umsetzung einer neuen, an Fraktalen orientierten Schulverfassung als veränderte Aufbauorganisation.
Der Schulversuch ProReKo kann im Vergleich zu anderen, mittlerweile in fast allen anderen Bundesländern laufenden Modellvorhaben aufgrund seiner Komplexität und Tragweite der bislang erprobten und noch zu erprobenden Elemente in den oben aufgeführten Arbeitsfeldern als einer der weitreichendsten und konsequentesten Versuche gelten, die Bildungslandschaft im berufsbildenden Schulwesen in Niedersachen nachhaltig zu verändern und die Qualität schulischer Arbeit zu verbessern.
Ziel, Aufgaben und Forschungsschwerpunkte der Wissenschaftlichen Begleitung
Die wissenschaftliche Begleitung des Schulversuchs ProReKo wird durch das Institut für Berufspädagogik unter der Leitung von Prof. Dr. Rütters wahrgenommen.
Zentrale Fragestellung der Wissenschaftlichen Begleitung ist es zu untersuchen, ob bzw. inwieweit durch größere Selbständigkeit und Gestaltungsspielräume der Schulen eine Verbesserung der Wirkungen von Schule in allen Qualitätsbereichen, insbesondere der Qualifizierungsergebnisse, der Qualität des Unterrichts sowie der Lernprozesse zu erreichen ist. Hintergrund dabei ist die Annahme, dass nur die Implementierung eines ganzheitlich und systematisch angelegten Qualitätsmanagementsystems im Sinne eines integriertes Managementkonzeptes die Voraussetzung bietet, die Selbststeuerungsfähigkeit der berufsbildenden Schulen als regionale Kompetenzzentren zu erhöhen und sie zu lernfähigen Organisationen zu entwickeln.
Darüber hinaus sollte es im Rahmen dieses Projektes auch gelingen, Erkenntnisse zu gewinnen, wie das Zusammenspiel der regionalen Kompetenzzentren mit den übergeordneten Instanzen (MK, Landesschulbehörde, Evaluationsinstitutionen,..) effektiv gestaltet werden kann und wie die regionalen Kompetenzzentren voneinander lernen können, so dass nicht nur die einzelne Schule sondern das ganze Schulsystem zu einem lernenden System wird.
In diesem Kontext ist es die Aufgabe der Wissenschaftlichen Begleitung dieses Projektes, wesentliche Projektelemente in Bezug auf ihre Zielorientierung, Konzeptionierung, Implementierung und Wirkung zu untersuchen, und zwar nicht als isolierte Elemente, sondern in ihrem Wirkungszusammenhang. Die Wissenschaftliche Begleitung ist darauf gerichtet, die mit dem Projekt verfolgten Ziele und die damit verbundenen Projektelemente konstruktiv zu stützen und kritisch zu begleiten. Zugleich soll sie dazu dienen, Erfahrungen und Erkenntnisse in systematischer Weise zu gewinnen, rezeptionsfreundlich aufzubereiten und somit wesentliche Voraussetzungen für die Nachhaltigkeit und den Transfer der Projektergebnisse zu schaffen. Die Wissenschaftliche Begleitung hilft damit, das lernende System aufzubauen und wird damit zu einem Teil desselben. Im Übrigen versteht sie sich im Sinne eines handlungsorientierten Forschungsansatzes als integraler Bestandteil des Projektes und nimmt im Wesentlichen folgende Funktionen wahr:
- Mitgestaltungsfunktion
- Unterstützungsfunktion
- Innovationsfunktion
- Weiterbildungsfunktion
- Evaluationsfunktion
- Dokumentationsfunktion
Als Forschungsschwerpunkte der Wissenschaftlichen Begeleitung haben sich im ersten Jahr ihrer Tätigkeit folgende Untersuchungsbereiche ergeben:
Qualitätsmanagement im berufsbildenden Schulwesen
Bedeutung des EFQM-Modells als Referenzrahmen für den Aufbau eines schulinternen Qualitätsmanagementsystems und für eine externe Evaluation
Entwicklung, Erprobung und Implementierung von schulischen Kennzahlensystemen und Analyse hinsichtlich deren Eignung für eine interne und externe Steuerung von Schulen zur Verbesserung der Qualität ihrer Arbeit
In diesem Forschungsbereich werden in einer Längsschnittuntersuchung zu drei Messzeitpunkten die Eignung und Wirkung eines schulischen Qualitätsmanagement- und Kennzahlensystems als Instrument zur Qualitätsverbesserung sowie wesentliche Einfuss- und Wirkfaktoren für deren erfolgreiche Implementierung untersucht. Hierzu werden sowohl quantitative als auch qualitative Forschungsmethoden eingesetzt.
Akzeptanz des Schulversuchs ProReko
In diesem Forschungsbereich wird in einem Längsschnitt über die gesamte Projektlaufzeit die Akzeptanz des Schulversuchs durch die schulischen Projektbeteiligten empirisch erhoben und analysiert. Die Ergebnisse der ersten Erhebung in diesem Untersuchungsbereich sind in dem 1. Zwischenbericht der Wissenschaftlichen Begleitung veröffentlicht.
Teambildung und Teamentwicklung an berufsbildenden Schulen
In diesem Forschungsschwerpunkt werden der Stand und die Entwicklung der Teambildung und Teamförderung an den Modellversuchsschulen vor dem Hintergrund einer neuen fraktal aufgebauten Schulverfassung in einer Längsschnittuntersuchung analysiert. Eine erste Erhebung hierzu wurde im Herbst 2004 durchgeführt.

Veröffentlichungen:
Rütters, K., Roggenbrodt, G.; Künzel, J.:
Darstellung und Analyse des niedersächsischen Modellversuchs: Berufsbildende Schulen als regionale Kompetenzzentren. In: Rützel, J.; Bendig, B.; Herzog, Ch.; Sloane, P., Berufsbildung in der globalen NetzWerkGesellschaft: Quantität – Qualität – Verantwortung, Band 1: Aspekte, 13. Hochschultage Berufliche Bildung 2004, Bielefeld 2004, S. 173 – 192.

Rütters, K., Roggenbrodt, G.; Künzel, J.:
Ziele und Aufgaben einer externen Evaluation für das berufsbildende Schulwesen – Überlegungen am Beispiel Niedersachen. In: SchulVerwaltung, Ausgabe Niedersachsen und Schleswig-Holstein, Nr. 11, 2004, S. 294 – 299.

Rütters, K., Roggenbrodt, G.; Künzel, J.:
1. Zwischenbericht der wissenschaftlichen Begleitung des Schulversuchs „Berufsbildende Schulen in Niedersachsen als regionale Kompetenzzentren“, Manuskriptdruck Universität Hannover, 2004 (www.proreko-wb.de)

weitere Informationen unter: www.proreko-wb.de

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