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"Verschüttetes Können" - Tradierte Arbeitsidentitäten benachteiligter Jugendlicher im Landkreis Northeim

"Verschüttetes Können" - Tradierte Arbeitsidentitäten benachteiligter Jugendlicher im Landkreis Northeim

Leitung:  Prof. Dr. Arnulf Bojanowski
Team:  Martin Koch
Projektstart:  2006
Datum Projektende:  14-10-08
Förderung:  Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur; Forschungs- und Berufungspool
Laufzeit:  10/2006 - 10/2008

Das durch das Land Niedersachsen finanzierte Projekt ist Gegenstand einer noch laufenden Promotion. Darin wird der grundlegenden Hypothese nachgegangen, dass Praktiken und Selbstinszenierungen benachteiligter Jugendlicher selbst in prekären Lebenssituationen immer auch historisch fundiert sind und auf vergangene Sinnhaftigkeiten verweisen. Ausgehend von dem theoretischen Ansatz Pierre Bourdieus wird dessen Habitusbegriff in der Weise mit dem Kompetenzansatz verbunden, dass Motive und Handlungsstrategien in ihrer Umsetzbarkeit immer als an spezifische Kontexte gebunden gedacht werden, mit denen sich gegebene Situationen in unterschiedlichem Maße kompatibel erweisen. In diesem Sinn wird vorgängigen Schicksalen und Berufstraditionen in Familiennetzwerken nachgegangen, aus denen benachteiligte Jugendliche im Rahmen der anhaltenden Ausbildungskrise freigesetzt wurden. Dies korrespondiert mit der Sichtweise, dass mit sozialen Positionierungen auch tradierte Selbstwahrnehmungen und Handlungsstrategien generationsübergreifend sozialisiert werden, die in Krisensituationen zwar von veränderten Verhaltensweisen überlagert werden, in ihren Grundfigurationen aber erhalten bleiben. Der Forschungsansatz zielt darum darauf ab, mit der Identifizierung unterschichtsspezifischer Berufstraditionen Interpretationsfolien zum Verständnis grundlegender Sinnstrukturen zu entwickeln. Um dies zu erreichen, wurde mit der Region um die Niedersächsische Kleinstadt Northeim ein abgegrenztes Untersuchungsgebiet gewählt. Im Verlauf der dort seit dem Dreißigjährigen Krieg rekonstruierten Geschichte wurden anhand regionalhistorischer Quellen und Zeitzeugenaussagen acht idealtypische Strukturmuster identifiziert und in ihren historischen Wandlungen über sechs Zeitabschnitte bis in die unmittelbare Gegenwart nachvollzogen. Auf diese Weise entsteht eine regionalspezifische Strukturtypologie, mit der die acht Idealtypen in jeweils neun Dimensionen in ihren grundlegenden Handlungsstrategien beschrieben werden. In einem letzten Schritt werden diese Typen anhand einer breit angelegten Befragung im regionalen Übergangssystem verortet. Im Ergebnis stellt die Arbeit ein qualitatives Instrumentarium zum Verständnis konkreter Handlungs- und Bewältigungsstrategien benachteiligter Jugendlicher zur Verfügung.

Abschlussbericht:

Koch, M.: "Verschüttetes Können" - Tradierte Arbeitidentitäten benachteiligter Jugendlicher im Landkreis Northeim. Forschungsbericht, Leibniz Universität Hannover: Manuskriptdruck.