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„Verschüttetes Können“ – Zur historischen Dimension von Benachteiligung und Begabung.

Koch, Martin
Betreuung durch Prof. Dr. Arnulf Bojanowski (Erstgutachter) Prof. Dr. Klaus Rütters (Zweitgutachter)

Beschreibung:

Wer längere Zeit in der Benachteiligtenförderung tätig gewesen ist, kann sich mitunter des Eindrucks nicht erwehren, es mit einem Stammpublikum zu tun zu haben. In der Wahrnehmung des Pädagogen bilden sich zwischen einzelnen Jugendlichen unweigerlich Parallelen hinsichtlich ihres Verhaltens, ihrer Kompetenzen und Defizite. Es stellt sich die Frage, woher diese unterschiedlichen Ähnlichkeiten rühren und ob es sich bei den vermeintlichen Benachteiligungen nicht auch um Kompetenzen handeln könnte, die aus einer vergangenen Zeit überliefert, nicht mehr mit den Anforderungen der modernen Arbeitswelt in Einklang gebracht werden können. Immerhin haben insbesondere im ländlichen Raum etliche über Jahrhunderte tradierte Berufe erst vor relativ kurzer Zeit aufgehört zu existieren.

Im Rahmen dieses Dissertationsvorhabens soll der Frage nachgegangen werden, aus welchen vergangenen Milieus benachteiligte Jugendliche im ländlichen Raum hervor gegangen sind, welche unnachgefragte Kompetenzen aus dieser Sozialisation resultieren und wie sich gegebenenfalls auf diesen Fähigkeiten hinsichtlich einer beruflichen Qualifizierung aufbauen lässt.

Konkret soll das Vorhaben in Kooperation mit der Werk-statt-Schule e.V., einem langjährigen freien Träger der Benachteiligtenförderung im Landkreis Northeim durchgeführt werden. In dieser Region soll zunächst die spezifische Sozial- und Wirtschaftsgeschichte nachvollzogen werden. Später sollen benachteiligte Jugendliche und ihre Familien hinsichtlich ihrer Traditionen, Wertvorstellungen und Kompetenzen interviewt und hinsichtlich ihres Arbeitsverhaltens beobachtet werden. Ziel der Untersuchung ist es, Korrelationen zwischen milieuspezifischen Mentalitäten und Benachteiligungen aufzuzeigen und produktive Impulse hinsichtlich der Förderung darin enthaltener Stärken zu geben.